Die Financial Action Task Force (FATF) ist das wichtigste internationale Gremium für Standards zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Ihre Empfehlungen prägen die Compliance-Anforderungen weltweit – auch im DACH-Raum.
Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung. Die Umsetzung der FATF-Empfehlungen in nationales Recht variiert. Bei konkreten Compliance-Fragen wenden Sie sich an spezialisierte Berater.
Was ist die FATF?
Organisation
| Aspekt | Detail |
|---|---|
| Name | Financial Action Task Force (Groupe d'action financière) |
| Gründung | 1989 (G7-Initiative) |
| Sitz | Paris (OECD) |
| Mitglieder | 38 Mitgliedsländer + 2 regionale Organisationen |
| DACH-Mitgliedschaft | Deutschland, Österreich, Schweiz sind Mitglieder |
Aufgaben
| Aufgabe | Beschreibung |
|---|---|
| Standardsetzung | Empfehlungen zur Geldwäschebekämpfung |
| Länderprüfungen | Mutual Evaluations der Mitglieder |
| Blacklist/Greylist | Identifikation von Hochrisikoländern |
| Typologien | Analyse neuer Geldwäschemethoden |
Die 40 FATF-Empfehlungen
Struktur
Die FATF-Empfehlungen sind in thematische Blöcke gegliedert:
| Block | Empfehlungen | Thema |
|---|---|---|
| A | 1-2 | AML/CFT-Policies und Koordination |
| B | 3-4 | Geldwäsche und Einziehung |
| C | 5-8 | Terrorismusfinanzierung |
| D | 9-23 | Präventive Maßnahmen |
| E | 24-25 | Transparenz juristischer Personen |
| F | 26-35 | Befugnisse der Behörden und institutionelle Maßnahmen |
| G | 36-40 | Internationale Zusammenarbeit |
Kernelemente für Unternehmen
| Empfehlung | Thema | Relevanz |
|---|---|---|
| 10 | Kundensorgfaltspflichten (CDD) | KYC-Prozesse |
| 11 | Aufbewahrungspflichten | Dokumentation |
| 12 | Politisch exponierte Personen (PEP) | Erweiterte Prüfung |
| 20 | Verdachtsmeldungen | Meldepflichten |
| 24 | Transparenz juristischer Personen | UBO-Ermittlung |
Kundensorgfaltspflichten (Empfehlung 10)
Kernanforderungen
| Pflicht | Inhalt |
|---|---|
| Identifizierung | Kunde identifizieren und verifizieren |
| UBO-Ermittlung | Wirtschaftlich Berechtigte feststellen |
| Zweck der Geschäftsbeziehung | Verstehen und dokumentieren |
| Laufende Überwachung | Transaktionen beobachten |
Risikobasierter Ansatz
| Risikostufe | Maßnahmen |
|---|---|
| Niedriges Risiko | Vereinfachte Sorgfaltspflichten möglich |
| Normales Risiko | Standard-CDD |
| Hohes Risiko | Verstärkte Sorgfaltspflichten (EDD) |
Die FATF betont den risikobasierten Ansatz: Ressourcen sollen dort konzentriert werden, wo die Risiken am höchsten sind.
Transparenz und UBO (Empfehlung 24)
Anforderungen
| Aspekt | Vorgabe |
|---|---|
| Zugang zu Informationen | Behörden müssen UBO-Daten erhalten können |
| Register | Empfehlung für zentrale Register |
| Aktualität | Informationen müssen aktuell sein |
| Verifizierung | Mechanismen zur Überprüfung |
Umsetzung im DACH-Raum
| Land | Transparenzregister |
|---|---|
| Deutschland | Transparenzregister (elektronisch) |
| Österreich | Wirtschaftliche Eigentümer Register (WiEReG) |
| Schweiz | Kein zentrales Register, aber Meldepflichten |
Länderrisikobewertung
FATF-Listen
| Liste | Bedeutung |
|---|---|
| High-Risk Jurisdictions (Blacklist) | Strategische Mängel, Gegenmaßnahmen erforderlich |
| Jurisdictions under Increased Monitoring (Greylist) | Mängel, verstärkte Überwachung |
Konsequenzen für Unternehmen
| Listung des Geschäftspartner-Landes | Erforderliche Maßnahmen |
|---|---|
| Blacklist | Verstärkte Due Diligence, ggf. Ablehnung |
| Greylist | Erhöhte Aufmerksamkeit, EDD |
| Nicht gelistet | Normaler risikobasierter Ansatz |
FATF Mutual Evaluations
Prüfungsprozess
Die FATF prüft ihre Mitglieder regelmäßig auf die Umsetzung der Empfehlungen:
| Phase | Inhalt |
|---|---|
| Technische Compliance | Sind Gesetze vorhanden? |
| Effektivität | Funktionieren die Maßnahmen? |
| Follow-up | Umsetzung von Verbesserungen |
DACH-Bewertungen
Alle drei DACH-Länder wurden von der FATF evaluiert. Die Berichte sind öffentlich zugänglich und zeigen Stärken und Verbesserungsbereiche.
Relevanz für Unternehmen
Verpflichtete nach nationalem Recht
Die FATF-Empfehlungen richten sich primär an Staaten, die sie in nationales Recht umsetzen. Typisch verpflichtete Sektoren:
| Sektor | Beispiele |
|---|---|
| Finanzsektor | Banken, Versicherungen, Wertpapierhandel |
| Güterhändler | Hochwertige Güter, Kunst |
| Immobilienmakler | Immobilientransaktionen |
| Rechtsberufe | Anwälte, Notare (bei bestimmten Tätigkeiten) |
| Steuerberater/WP | Bei bestimmten Tätigkeiten |
Indirekte Auswirkungen
Auch nicht direkt verpflichtete Unternehmen sind betroffen:
| Auswirkung | Beispiel |
|---|---|
| Bank-Anforderungen | Banken fragen Compliance-Maßnahmen ab |
| Geschäftspartner-Anfragen | Due Diligence durch Partner |
| Lieferketten-Prüfung | Sanktions-Compliance in Kette |
FATF-Empfehlungen und KYC
Know Your Customer (KYC)
Die FATF-Empfehlungen bilden die Grundlage für KYC-Prozesse:
| FATF-Vorgabe | KYC-Umsetzung |
|---|---|
| Kundenidentifizierung | Ausweisdokumente, Registerauszüge |
| UBO-Ermittlung | Gesellschafterrecherche |
| Zweck verstehen | Geschäftsmodell-Analyse |
| Ongoing Monitoring | Transaktionsüberwachung |
Dokumentation
| Anforderung | Umsetzung |
|---|---|
| Aufbewahrung | Mindestens 5 Jahre nach Geschäftsbeziehung |
| Verfügbarkeit | Für Behörden zugänglich |
| Vollständigkeit | Alle Prüfschritte dokumentiert |
Aktuelle Entwicklungen
Neue Themenfelder
| Thema | FATF-Aktivität |
|---|---|
| Virtuelle Vermögenswerte | Empfehlungen für Kryptowährungen |
| Proliferationsfinanzierung | Massenvernichtungswaffen |
| Umweltkriminalität | Geldwäsche aus Umweltdelikten |
| Cybercrime | Digitale Geldwäsche |
Travel Rule für Krypto
Die FATF fordert, dass bei Transaktionen mit virtuellen Vermögenswerten Absender- und Empfängerinformationen übermittelt werden – analog zum klassischen Zahlungsverkehr.
FATF und Sanktionen
Abgrenzung
| Aspekt | FATF | Sanktionen |
|---|---|---|
| Fokus | Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung | Außenpolitische Ziele |
| Rechtscharakter | Empfehlungen (Soft Law) | Verbindliches Recht |
| Umsetzung | Über nationales Recht | Direkt anwendbar (EU-VO) |
Überschneidungen
Beide Bereiche erfordern: - Kenntnis der Geschäftspartner - Listenabgleiche - Dokumentation
Eine integrierte Compliance-Lösung deckt oft beide Bereiche ab.
Implementierung im Unternehmen
Risikobasierter Ansatz
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| Risikoanalyse | Eigene Risiken bewerten |
| Maßnahmen definieren | Entsprechend der Risiken |
| Ressourcen zuweisen | Fokus auf Hochrisikobereiche |
| Überprüfung | Regelmäßige Anpassung |
Compliance-Programm
| Element | Beschreibung |
|---|---|
| Policies | Schriftliche Richtlinien |
| Schulung | Mitarbeiter sensibilisieren |
| Kontrollen | Prüfung der Einhaltung |
| Reporting | Berichtswesen |
Ressourcen
FATF-Publikationen
| Publikation | Inhalt |
|---|---|
| FATF Recommendations | Die 40 Empfehlungen |
| Methodology | Bewertungskriterien |
| Mutual Evaluation Reports | Länderberichte |
| Guidance | Auslegungshilfen |
| Typologies | Geldwäschemethoden |
Nationale Umsetzung
| Land | Hauptgesetz |
|---|---|
| Deutschland | Geldwäschegesetz (GwG) |
| Österreich | Finanzmarkt-Geldwäschegesetz (FM-GwG) u.a. |
| Schweiz | Geldwäschereigesetz (GwG) |
Fazit
Die FATF-Empfehlungen setzen den internationalen Standard für Geldwäschebekämpfung. Sie bilden die Grundlage für nationale Gesetze wie das deutsche GwG und beeinflussen damit die Compliance-Anforderungen für verpflichtete Unternehmen.
Der risikobasierte Ansatz ist dabei zentral: Unternehmen sollen ihre Ressourcen dort einsetzen, wo die Risiken am höchsten sind. Die regelmäßigen Länderprüfungen (Mutual Evaluations) stellen sicher, dass die Umsetzung nicht nur auf dem Papier steht.
Für die praktische Compliance bedeutet dies: KYC-Prozesse, UBO-Ermittlung und Transaktionsüberwachung nach dem Prinzip „Know Your Customer".
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