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Sales Discovery B2B

Discovery Calls: Das erste Gespräch richtig führen

Wie Sie Discovery Calls strukturieren und führen. Fragen, Techniken und typische Fehler bei der Bedarfsanalyse im B2B-Vertrieb.

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Firmium Team · · 5 min Lesezeit
Teilen: | Mit KI zusammenfassen: ChatGPT Claude Gemini

Der Discovery Call ist der wichtigste Moment im B2B-Sales. Hier entscheidet sich, ob ein Lead zum echten Opportunity wird. Wie führt man dieses Gespräch richtig?

Was ist ein Discovery Call?

Ein Discovery Call ist das erste substanzielle Gespräch mit einem potenziellen Kunden, in dem Sie seinen Bedarf, seine Situation und seine Kaufbereitschaft erkunden.

Ziele des Discovery Calls

Für Sie: - Bedarf verstehen - Qualifizieren (passt es?) - Nächsten Schritt vereinbaren - Beziehung aufbauen

Für den Prospect: - Problem artikulieren - Mögliche Lösung kennenlernen - Entscheiden, ob Gespräch lohnt - Vertrauen gewinnen

Discovery vs. Demo

Discovery Demo
Fragen stellen Zeigen
Zuhören (70%) Präsentieren
Problem verstehen Lösung zeigen
Qualifizieren Überzeugen

Reihenfolge: Erst Discovery, dann Demo. Nie umgekehrt.

Vorbereitung

Research vor dem Call

Über das Unternehmen: - Branche und Geschäftsmodell - Größe (Mitarbeiter, Umsatz) - Aktuelle Situation (News, Wachstum) - Potenzielle Pain Points

Über die Person: - Rolle und Verantwortungsbereich - LinkedIn-Profil - Vorherige Stationen - Gemeinsame Kontakte

Hypothesen bilden

Basierend auf Research:

"Unternehmen X ist in der SaaS-Branche, wächst schnell, hat gerade Series B erhalten. Vermutlich bauen sie Sales aus und haben Herausforderungen mit Lead-Qualität und Daten."

Die Hypothese hilft: - Gezieltere Fragen stellen - Schneller zum Kern kommen - Relevanz zeigen

Agenda vorbereiten

1. Intro/Rapport (2-3 Min)
2. Agenda setzen (1 Min)
3. Situation verstehen (10-15 Min)
4. Pain Points vertiefen (10-15 Min)
5. Implikationen erkunden (5 Min)
6. Nächste Schritte (3-5 Min)

Gesprächsstruktur

1. Eröffnung (2-3 Minuten)

Rapport aufbauen:

"Danke für Ihre Zeit heute. Ich habe gesehen, dass Sie kürzlich [X] – wie läuft das?"

Agenda setzen:

"Ich würde vorschlagen, dass wir heute vor allem verstehen, was bei Ihnen gerade ansteht. Dann schauen wir, ob und wie wir helfen können. Passt das?"

Permission fragen:

"Ist es okay, wenn ich ein paar Fragen stelle, um Ihre Situation besser zu verstehen?"

2. Situationsfragen (10-15 Minuten)

Verstehen, wo der Prospect steht:

Bereich Beispielfragen
Aktueller Stand "Wie gehen Sie das Thema X heute an?"
Prozesse "Können Sie mir den Prozess beschreiben?"
Tools "Welche Tools nutzen Sie aktuell dafür?"
Team "Wer ist daran beteiligt?"
Kennzahlen "Wie messen Sie den Erfolg?"

3. Problem-Fragen (10-15 Minuten)

Pain Points identifizieren:

Bereich Beispielfragen
Herausforderungen "Was ist dabei Ihre größte Herausforderung?"
Frustration "Was frustriert Sie am meisten?"
Gaps "Wo sehen Sie die größten Lücken?"
Zeit "Wie viel Zeit verbringen Sie mit X?"
Kosten "Was kostet Sie das Problem aktuell?"

4. Implikations-Fragen (5-10 Minuten)

Konsequenzen verdeutlichen:

"Was passiert, wenn das Problem bestehen bleibt?" "Wie wirkt sich das auf [Team/Umsatz/Kunden] aus?" "Wenn das so weitergeht, wo sind Sie in 12 Monaten?"

Ziel: Der Prospect erkennt selbst die Dringlichkeit.

5. Nutzen-Fragen (5 Minuten)

Vision einer Lösung:

"Wie sähe die ideale Lösung aus?" "Was würde sich ändern, wenn das Problem gelöst wäre?" "Was wäre das für Sie persönlich wert?"

6. Qualifizierung (5 Minuten)

BANT oder MEDDIC abfragen:

Kriterium Fragen
Budget "Ist Budget für solche Initiativen eingeplant?"
Authority "Wer ist außer Ihnen noch an der Entscheidung beteiligt?"
Need "Wie dringend ist das auf einer Skala von 1-10?"
Timeline "Bis wann müssten Sie eine Lösung haben?"

7. Nächste Schritte (3-5 Minuten)

Konkreten Folgeschritt vereinbaren:

"Basierend auf dem Gespräch macht es Sinn, dass ich Ihnen zeige, wie wir das konkret lösen können. Passt es, wenn wir nächste Woche eine Demo machen? Wer sollte dabei sein?"

Fragetechniken

Offene vs. geschlossene Fragen

Typ Wann Beispiel
Offen Exploration "Wie gehen Sie mit X um?"
Geschlossen Bestätigung "Ist das ein Problem für Sie?"

Regel: 80% offene Fragen, 20% geschlossene.

Vertiefende Fragen

"Können Sie mir ein Beispiel geben?" "Was meinen Sie mit...?" "Können Sie das genauer erklären?" "Und was ist dann passiert?"

Hypothetische Fragen

"Angenommen, das Problem wäre gelöst – was würde sich ändern?" "Wenn Sie unbegrenzte Ressourcen hätten, wie würden Sie es angehen?"

Skalierungsfragen

"Auf einer Skala von 1-10, wie dringend ist das?" "Wo stehen Sie heute und wo wollen Sie hin?"

Aktives Zuhören

Techniken

Technik Beispiel
Paraphrasieren "Wenn ich Sie richtig verstehe, ist das Problem, dass..."
Zusammenfassen "Lassen Sie mich zusammenfassen: Sie haben drei Hauptherausforderungen..."
Schweigen [Pause nach Antwort – mehr kommt oft]
Notizen machen [Zeigt Interesse]

70/30-Regel

  • 70% Zuhören
  • 30% Sprechen (vor allem Fragen)

Problem: Die meisten reden zu viel. Bewusst zurückhalten.

Typische Fehler

1. Zu früh pitchen

Problem: Lösung präsentieren, bevor Problem verstanden. Lösung: Erst vollständig erkunden, dann reagieren.

2. Geschlossene Fragen

Problem: Nur Ja/Nein-Antworten. Lösung: Mehr offene Fragen stellen.

3. Nicht tief genug bohren

Problem: Oberflächliche Antworten akzeptieren. Lösung: "Können Sie das genauer erklären?"

4. Keine Agenda

Problem: Gespräch driftet. Lösung: Zu Beginn Struktur setzen.

5. Keinen nächsten Schritt

Problem: Call endet ohne Commitment. Lösung: Immer konkreten Folgeschritt vereinbaren.

Discovery Frameworks

SPIN Selling

Phase Fragen
Situation Aktueller Stand
Problem Schwierigkeiten
Implication Konsequenzen
Need-Payoff Wert der Lösung

BANT

Kriterium Fragen
Budget Ist Geld da?
Authority Wer entscheidet?
Need Ist der Bedarf real?
Timeline Wann?

MEDDIC (komplexere Deals)

Element Fokus
Metrics Messbare Ziele
Economic Buyer Wer zahlt?
Decision Criteria Worauf wird geachtet?
Decision Process Wie wird entschieden?
Identify Pain Was ist das Problem?
Champion Wer verkauft intern für Sie?

Nach dem Call

Dokumentation

Im CRM festhalten: - Wichtigste Pain Points - Entscheider und Buying Committee - Budget und Timeline - Nächster Schritt - Qualifizierungsstatus

Follow-up

Innerhalb 24 Stunden: - Zusammenfassung per E-Mail - Bestätigung nächster Schritt - Relevante Materialien

Fazit

Ein guter Discovery Call ist die Grundlage für jeden erfolgreichen Deal. Die wichtigsten Prinzipien:

  1. Vorbereitung: Research vor dem Call
  2. Struktur: Klare Agenda
  3. Fragen: Mehr fragen als erzählen
  4. Zuhören: 70/30-Regel
  5. Vertiefen: Nicht oberflächlich bleiben
  6. Qualifizieren: Ist es ein echter Opportunity?
  7. Commitment: Konkreter nächster Schritt

Der Discovery Call entscheidet, ob ein Lead zum Kunden wird. Wer hier spart, zahlt später mit verlorenen Deals.


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Geschrieben von

Firmium Team

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